HEIMAT- UND
GESCHICHTSVEREIN
ERLANGEN e.V.
Heimat- und
Geschichtsverein
Erlangen e.V.

Verein für ArmenpflegeAuf Initiative von Stadtvikar J. Schunck schloss sich in E am 6.11.1848 der Verein für freiwillige Armenpflege zusammen, dessen Vorsitz bis 1874 Medizinprof. J.M. Leupoldt führte. Ziel dieses der Inneren Mission verbundenen bürgerschaftlichen Engagements war es, die Folgen der Massenarmut in der wirtschaftlich darniederliegenden Stadt zu bekämpfen und v.a. die durch die Hungerjahre 1846/47 verstärkte Haus- und Straßenbettelei einzudämmen. In Absprache mit dem städt. Armenpflegschaftsrat bildete man acht Distrikte, in denen jeweils 4–8 freiwillige Pfleger (seit 1909 auch Helferinnen) Natural- oder Geldzuweisungen verteilten und bei Wohlhabenden um die nötigen Mittel warben. 1848/49 verzeichnete der V. Einnahmen in Höhe von 2883 fl, so dass monatlich etwa 350 Arme eine Zuwendung erhielten. Außerdem führte er eine Altkleidersammelstelle und eine Nähschule ein, in der Kinder aus armen Familien im Nähen und Stricken unterrichtet wurden und abgelegte Kleidungsstücke umarbeiteten. Aus der Mitarbeit von Frauen entstand 1860 der selbständige Frauenverein für Armen- und Krankenpflege (siehe auch Frauenvereine). Des weiteren errichtete der V. 1849 die Leseanstalt, eine Art Volksbibliothek, und eine Prämienkasse, um einen Anreiz zum Sparen zu schaffen. Arbeitslosen vermittelte er eine Beschäftigung in Bürgerhäusern oder in der eigenen Strohflechterei, auch bemühte er sich um die Beschaffung von Lehrstellen. 1865 wurden populärwiss. Vorträge von Univ.-Angehörigen institutionalisiert, deren Erlös später der Volksküche zugute kam. Der V. ermöglichte 1870 den Ankauf des Hauses Obere Karlstr. 20 für eine der ersten E Kinderschulen, ferner 1875 die Berufung der ersten Armendiakonissin nach E (siehe auch Verein für Gemeindediakonie). Über 50 Jahre leistete der V. seinen Teil für die Sozialfürsorge vor Ort. Auch hatte er überregional Vorbildcharakter; Nachfolgevereine entstanden u.a. in Ansbach und Bayreuth. Anfang des 20. Jh. wurde seine Arbeit zunehmend von Einrichtungen der öff. Wohlfahrtspflege übernommen; 1913 unterstützte er immerhin noch 164 bedürftige Personen. Infolge der Inflation musste der V. am 7.12.1923 seine Tätigkeit einstellen, wurde aber 1926 wiederbelebt und bestand noch bis zur Währungsreform 1948.

aus dem Erlanger Stadtlexikon (Herausgeber: Stadtarchiv Erlangen)

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