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ERLANGEN e.V.
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Arcaden - eine stadtverträgliche Planung?

Der Vorstand des Heimat- und Geschichtsverein hat am 26. Juni 2002 einstimmig folgende Stellungnahme beschlossen:

Erlangen soll eine Shopping Mall erhalten. Wir befürworten die Bebauung des ehemaligen Postgeländes; zumal in letzter Zeit alteingesessene Kaufhäuser geschlossen haben. Diese Mall soll allerdings in einer Größe entstehen, die den bisherigen Rahmen der historischen Innenstadt zu sprengen droht. Diese City vor der City ist so gravierend wie etwa in den 70er Jahren der Bau des Neuen Marktes an der Nürnberger Straße oder die Errichtung des Altstadtmarktes an der Fuchsenwiese.


1 Gleichgewicht in der Innenstadt

Bisher war Konsens, in der südlichen und nördlichen Innenstadt eine Art Gleichgewicht der städtebaulichen Rahmenbedingungen herzustellen. Nun wird aber speziell die südliche Innenstadt von der neuen Entwicklung profitieren und die nördliche Innenstadt weiter an Gewicht verlieren.

Speziell die Altstadt nördlich des Schlossplatzes wurde in den letzten Jahrzehnten vernachlässigt. Wir fordern daher, dass dort endlich Maßnahmen zur Verbesserung ergriffen werden. Eine Umgestaltung der Nördlichen Hauptstraße und des Martin-Luther-Platzes muss vor dem Bau der Arcaden durchgeführt werden. Dazu wurde vom Arbeitskreis Innenstadt, der Interessensgemeinschaft Altstadt und dem Altstadtforum ein Thesenpapier erarbeitet, das mittlerweile veröffentlicht ist.

2 Zugang und Anbindung

Erlangen besitzt eine große Haupteinkaufsmeile in Nord-Süd-Richtung, die Grande Rue. Alle Läden, die in Seitenlagen liegen, führen einen harten Existenzkampf. Auch in der Grande Galerie wechseln ständig die Geschäfte.

Das neue Projekt Arcaden liegt abseits dieser Grande Rue. Bleibt der Haupteingang weiterhin im Norden? Eine stärkere Anbindung an die Hauptstraße und die ganze Innenstadt ist dringend nötig, da sonst eine Inselwirkung zu erwarten ist (siehe Altstadtmarkt). Wir fordern eine mehrmalige fußläufige Anbindung an die Nürnberger Straße mit dem Neuen Markt und ein Konzept, das erkennen lässt, wie man die neuen Kunden in die Innenstadt locken will.

3 Traditionelle Erlanger Strukturen

Die geplante Größe der Arcaden ist mit ca. 23.000m2 Flächenangebot im Vergleich zur Gesamtstadt (knappe 100.000m2) zu hoch. Betroffen ist hier vor allem der ortsansässige Einzelhandel. Er muss sicher mit Umsatzeinbußen und Abbau von Arbeitsplätzen rechnen. Alteingesessene Erlanger Läden und Geschäfte, aber auch Gastronomen und Handwerker werden sich fragen, was denn für sie getan wird.

Wir fordern daher, dass die Stadt Erlangen zu der kleinteiligen Struktur ihrer historischen Innenstadt steht und diese fördert. Läden unter 100m2 müssen auch in Zukunft eine Chance haben. Denn unser Flair bzw. unser Ambiente in dieser Stadt baut gerade darauf auf. Wir wollen weiterhin Individualität und keine Austauschbarkeit.


4 Städtebauliche Dimension und Grünflächen

Die geplante Baudichte ist mit einer Geschossflächenzahl von ca. 3,5 bis 4,0 sehr hoch im Vergleich zur Innenstadt. Die Bruttogeschossfläche beträgt über 100.000m2. Der präsentierte Vorentwurf zeigt eine Vollüberbauung ohne Freifläche.

Wir fordern daher eine Korrektur dieser Geschossflächenzahl nach unten in Anpassung an die Umgebung. Hier ist zu differenzieren zwischen der Bebauung mit An- schluss an die bestehende Stadt und der Bebauung an der Güterhallenstraße. Ferner fordern wir ein Minimum an begrünten Freiflächen.

Das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbes wird hier wichtige Aussagen liefern. Erst dann ist eine weitere Beurteilung möglich.

Wir hätten es begrüßt, dass bei einem solchen Architektenwettbewerb ein größerer Kreis örtlich interessierter Architekturbüros teilnehmen kann (Beschränkung auf 6 bis 7 Büros).

5 Stadtbild und Denkmalschutz

Weiterhin fordern wir die Überprüfung der Stadtbildverträglichkeit in Bezug auf die geplanten Bauhöhen. Diese sollen lt. Vorentwurf bis zu 22m betragen.

Dazu gehört auch eine ansprechende Fassaden- und Platzgestaltung als nördlicher Abschluss der Arcaden zur Innenstadt hin. Dieser Platz gegenüber den Manhattan-Kinos muss einen entsprechenden Namen bekommen, er ist nicht nur Bushaltestelle oder Fahrradparkplatz. Er bekommt eine zentrale Funktion als Verbindung zur Innenstadt.

Wir möchten nicht, dass das denkmalgeschützte Loewenichsche Palais als Pförtnerhaus erscheint. Dieses Palais wurde vorbildlich restauriert und erweitert. Der künftige Anbau kann nur eingeschossig in Respekt vor dem Denkmal erfolgen. Die dahinterliegende Fassade sollte auf das Denkmal Rücksicht nehmen und zusammen mit diesem ein ansprechendes Ambiente schaffen. Bauhöhe und Materialwahl spielen hier eine entscheidende Rolle. Wir bieten hier unsere Mitarbeit für Anregungen an.

6 Verkehr

Die verkehrsmäßige Pkw-Anbindung erfolgt von Süden über die Hochstraße parallel zur Bahn. Dort muss eine neue Auffahrt geschaffen werden, die jedoch direkt in die Entwicklung der Hochstraße eingreift. Ferner wird die Nägelsbachstraße nach Süden an den Gossen-Bau verlegt. Wer bezahlt alle diese Erschließungsmaßnahmen?

Es ist weiter zu befürchten, dass die mit dem Auto kommenden Besucher über das neue Parkhaus auf schnellstem Wege die Arcaden besuchen und wieder verlassen, z.B. viele Pendler. Wir verweisen auf Punkt 2.

Wir lehnen es außerdem ab, dass der neue Verkehr über die Güterbahnhofstraße in die Goethestraße weiter geleitet wird. Dies würde die Bemühungen um Verkehrsberuhigung in der Innenstadt wieder zunichte machen.

Der Heimat- und Geschichtsverein hat stets ein starkes Interesse an der Erhaltung der historischen Innenstadt sowie deren Funktionsfähigkeit und Qualität. Ferner liegt uns die Identität und damit die Unverwechselbarkeit unserer Stadt am Herzen.

Das Arcaden-Projekt wird gravierende Auswirkungen haben und es fordert uns alle heraus. Viele Mitglieder sind jedoch besorgt. Die Stellungnahme versucht, diese Sorgen auszudrücken. Dies geht über Zahlen und Daten hinaus, denn es handelt sich immerhin um unsere Heimat.

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