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ERLANGEN e.V.
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Geschichtsverein
Erlangen e.V.
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1997
·
Nürnberger Tor
·
1717 ‐ 1945

Hinweis:
Der folgende Text stammt aus einem Faltblatt zu Einweihung der Pflastermarkierung am Nürnberger Tor aus dem Jahr 1997.

Die Stadtmauer

Um als Stadt zu gelten, benötigte die neugegründete Hugenottenstadt eine Befestigung. Diese Mauer sollte vor allem Zollvergehen vermeiden. Als Schutz vor militärischen Angriffen war sie kaum geeignet. 1686 wurde mit dem Bau von Pallisaden aus Eichenholz begonnen. Dieser Schutz war jedoch unzureichend: Die Bürger konnten eine Bresche in die Umfassung brechen und das Holz gleich als Brennmaterial mitnehmen. Wegen dieser Unsicherheit wollten gerade reichere Kaufleute sich nicht in dieser offenen Stadt niederlassen. Ab dem Jahre 1708 versuchte man mit dem Bau einer steinernen Mauer diesem Umstand abzuhelfen. Ein Abschnitt an der Westseite stürzte jedoch bald nach Fertigstellung wieder ein. 1714 war die Stadtmauer vom Gerbereitor bis zum Nürnberger Tor fertiggestellt.

Die Stadttore

Bis ins 19. Jahrhundert war Erlangen von einer Mauer aus Sandsteinquadern umschlossen. Ihr Verlauf ist noch entlang der Nördlichen, Westlichen, Südlichen und Östlichen Stadtmauerstraße sowie der Cedernstraße nachvollziehbar. Die Stadt konnte nur durch die Tore betreten und verlassen werden. Es gab zwei Haupttore, das Bayreuther Tor im Norden und das Nürnberger Tor im Süden, und vier Nebentore (Martinsbühler, Brucker, Buckenhofer und Sieglitzhofer Tor). Die Zahl der Durchbrüche nahm gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu. Wegen des zunehmenden Verkehrs wurden ab 1865 die Stadttore entfernt. Mehrere Anträge auf Abtragung des Nürnberger Tores scheiterten. Die Regierung von Mittelfranken lehnte dies schließlich 1898 aus Gründen des Denkmalschutzes ab.


1 · Zeichnung aus dem Staatsarchiv Bamberg

Das Nürnberger Tor

Vor 280 Jahren entstand im Zuge der Errichtung einer Zollmauer um die Erlanger Stadt das Nürnberger Tor. Es war der Nachfolger eines hölzernen Pallisadentores mit Schranke und Zugbrücke. Nach dem Willen des Stadtgründers Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth sollte ein barockes Prunktor entstehen, wie eine Zeichnung des Staatsarchivs Bamberg aus dem Jahre 1709 zeigt. Mit dem Bau des Tores wurde 1717 begonnen. Es bewachte den wichtigen Zugang von Süden aus Nürnberg und Fürth in die Stadt und bildete den sichtbaren Abschluss der historischen Innenstadt. Vor den Toren der Stadt befanden sich die Gärten der Erlanger Bürger. Bereits im 19. Jahrhundert sollte das Tor abgebrochen werden. Es stand jedoch bis 1945. Heute ist nichts mehr davon erhalten.

Das Examinatorenhaus

Nach Erlangen kommende Fuhrwerke mussten am Examinatorenhaus halten und den Pflasterzoll zahlen. Im Jahre 1869 kamen dabei insgesamt 4.400 Gulden in die Stadtkasse.

Sie wurden gezahlt für 14.607 Frachtwagen und 17.728 sonstige Wagen, Schubkarren und Schlitten. Zu dieser Zeit (1871) wohnten in der Stadt 12.047 Zivilpersonen und 463 Militärpersonen.

Almosen-Ordnung von 1769:
18. Die übrige reisende Bettler, so nach ihren producirten Pässen und Attestaten von etwelch besonderm Betracht ... sind, verweiset der Examinator mit dem ihme gebenden Zettul an den amthierenden Burgermeister und zwar
19. diejenigen Bettler, solch letzterer Art, so zum Nürnberger-Thor hereinkommen, an den amthierenden Burgermeister in der Neustadt...


2 · Das Nürnberger Tor

Der Abbruch

Am 16. April 1945 zogen die amerikanischen Truppen in Erlangen ein. Vorausgegangen waren dramatische Tage und Stunden, bis es gelang, den Kampfkommandanten Werner Lorleberg zur kampflosen Übergabe der Stadt zu bewegen. Einige Tage später wurde das Nürnberger Tor beseitigt. Am 24. April notierte Johanna Steidel in ihr Tagebuch: Hier ist es völlig ruhig. Keinen Schuss hört man, nur ab und zu eine Sprengung. Das Nürnberger Tor war auch zu eng für die vielen Militärwagen, Panzer, etc.

Die Reste des Tores mit den angrenzenden Stadtmauerpartien wurden nach dem Krieg abgerissen, ebenso das ehemalige Examinatorenhaus rechts, die Stadt Hamburg links und die hinter dem Tor liegenden Häuser Hauptstraße 1 und 2 (s. Foto 2).

Das Nürnberger Tor und die Erlanger

Älteren Erlanger Bürgern ist das Tor, das bis 1945 stand, noch heute gut im Gedächtnis. Im Winter konnte man sehr gut Schneebälle durch die Öffnungen werfen, wobei spannend war, wen man dabei traf. Das Tor war jedoch nicht bei allen beliebt. In den Erlanger Nachrichten ist am 1. Juni 1949 im Nachruf auf das Nürnberger Tor zu lesen: ...bildete es das Streitobjekt eines fast Hundertjährigen Krieges zwischen Heimatfreunden und Nützlichkeitsfanatikern. Im Erlanger Intelligenzblatt forderte 1858 Einer im Namen Vieler den Abbruch des zwecklosen, unnützen Steinhaufens Nürnberger Tor. Einige Erlanger Bürger, die das Tor ebenfalls als Schandfleck und Verkehrshindernis betrachteten, traten in der Nacht vom 16. zum 17. Mai 1949 in Aktion, um die letzten Steine dieses Anstoßes zu entfernen.


3 · Die Situation in den 1990ern

Anlass der Pflasterung

Heutezutage haben wir eine völlig andere Situation am ehemaligen Nürnberger Tor: die Fußgängerzone geht von der Nürnberger Straße nahtlos in die Hauptstraße über.Der Eingang zur historischen Innenstadt ist nicht mehr zu erkennen. Durch die rasante städtebauliche Entwicklung Erlangens seit 1945 ist die vorstädtische Bebauung an der Nürnberger Straße verschwunden und es entstand ein modernes Stadtzentrum am Rathausplatz. Entlang der Südlichen Stadtmauerstraße sind noch Reste der Stadtmauer vorhanden, aber sie werden kaum mehr wahrgenommen.Deshalb bemüht sich der Heimat- und Geschichtsverein seit über 10 Jahren, diese Eingangssituation zur historischen Innenstadt wieder deutlich zu machen und daran zu erinnern.

Vorgeschichte

Im Bericht vom Arbeitskreis Innenstadt ist zu lesen: Der Vorschlag vom damaligen Oberbürgermeister Hahlweg zum Wiederaufbau des Tores 1978 fand keine Mehrheit. Das Stahlgerüst-Modell einer Plastik von Heinz Heiber fand im Jahre 1988 ebenfalls keine Zustimmung. 1989 veranstaltete die Stadt Erlangen einen internationalen Kunstwettbewerb, den Per Kirkeby mit einem Backsteinbau (Bierkasten) am Nürnberger Tor und Franz Bernhard mit einer Metallskulptur an der Hauptpost gewannen. Die Arbeiten wurden aus Kostengründen bis heute nicht verwirklicht. Ein Bauantrag des Heimat- und Geschichtsvereines zur Errichtung eines Teilstückes des ehem. Nürnberger Tores scheiterte 1994 an Einsprüchen der Anlieger. Seit 1996 bemüht sich der Verein um eine Pflasterung des Grundrisses.


4 · Plan zur Pflasterung 1997

Ausführung

1997 werden im Auftrag des Vereins der gesamte Grundriss des Tores gepflastert und eine bronzene Gedenktafel in Straßenmitte versetzt.

Das Vorhaben findet nun Zustimmung bei der Stadt Erlangen und den Anliegern. In Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt und dem Tiefbauamt der Stadt Erlangen werden das Ausmaß der Pflasterung und das Material bestimmt. Es wird Granit-Großsteinpflaster verwendet. Das Stadtplanungsamt erstellt den Grundriss. Das Tiefbauamt erhält den Zuschlag für die Ausführung im Sommer 1997. Die Bronzetafel in Straßenmitte wurde vom unserem Mitglied Helmut Herzog gestaltet und erinnert an das Nürnberger Tor. Die Gesamtkosten trägt der Heimat- und Geschichtsverein Erlangen.

Dank, Impressum

Wir bedanken uns für die Unterstützung dieser Maßnahme bei:
 · Mode- und Sporthaus Eisert
 · Betten-Bühler
 · Familie Tempel
 · Vinea, Weine & Brände
 · Bernd Nürmberger vom Arbeitskreis Innenstadt
und den vielen ungenannt gebliebenen Helfern.


Text: Pia Tempel-Meinetsberger
Layout: Klaus Meinetsberger
Druck: Schnelldruckcenter Feldstraße
Bildnachweis: Stadtarchiv Erlangen und Heimat- und Geschichtsverein

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