HEIMAT- UND
GESCHICHTSVEREIN
ERLANGEN e.V.
Heimat- und
Geschichtsverein
Erlangen e.V.
Stadtforscherhaus

aus den Erlanger Nachrichten vom 17. Januar 2017

Nördliche Stadtmauer ist Denkmal der Stadtgeschichte

Bei der Sanierung der maroden historischen Stadtmauer am ehemaligen Saugraben möchte, wie berichtet, die Stadt die Anlieger zur Kasse bitten. Dies ist für uns Anlass, einen Blick zurück in die Stadtgeschichte zu werfen. Der Historiker Thomas Engelhardt beantwortet in seinem Gastbeitrag in den EN verschiedene Fragen: Wann wurde die Stadtmauer gebaut? Wo erstreckte sie sich? Und: Wie wurden früher Bau und Ausbesserungmaßnahmen finanziert?

Die gegenwärtige Diskussion um die Stadtmauersanierung hat bewusst gemacht, dass die Stadtmauer am ehemaligen Saugraben das wichtigste Baudenkmal des mittelalterlichen Erlangen ist. Dieser Rest der alten Stadtbefestigung zeugt aber nicht nur vom ursprünglichen Stadtbild, sondern auch von der späteren Stadtentwicklung, die vielfältige An- und Umbauten zur Folge hatte. Im Zusammenhang mit der aktuellen Kontroverse stellt sich besonders die Frage, wie Bau und Reparatur dieses eindrucksvollen Bauwerks früher finanziert worden sind.

Das Recht, eine Stadtmauer zu bauen, zählte zu den wichtigsten Privilegien der mittelalterlichen Städte. Erlangen erhielt es mit dem Stadtrechtsprivileg König Wenzels im Jahr 1398. Die Stadtbefestigung sollte ‐ wie die Urkunde eigens erwähnt ‐ durch die Einkünfte der verpachteten Fleisch- und Brotbänke und andere Einnahmequellen finanziert werden.

Viel Mauerwerk war freilich nicht nötig, um das Landstädtchen einzuschließen. Der Kernbereich des alten Erlangen reichte vom Kirchtor bei der Altstädter Kirche bis zum Bayreuther Tor am Ende der heutigen Hauptstraße. An der schmalen Westseite befand sich das Martinsbühler Tor, das auch Vestner Tor hieß, da es nahe der Veste lag, die dem landesherrlichen Amtmann als Sitz diente. Im Osten verlief die Stadtmauer dicht hinter der alten Kirche schräg auf die heutige Cedernstraße zu, um dann beim Katzenturm, einem Mauerturm mit Kerker (Karzer), nach Westen abzuknicken. Starken Angriffen konnte die kleine Stadt mit ihrer geringen Verteidigungskraft allerdings nicht standhalten. Erlangen wurde so in den beiden Markgrafenkriegen wie viele Ort in der Umgebung überfallen und geplündert und 1632 und 1634 im Dreißigjährigen Krieg fast völlig zerstört, wobei auch die Stadtmauer erneut schwer beschädigt wurde.

Alte und neue Stadtmauer

Das mittelalterliche Stadtbild der Altstadt ging jedoch erst mit dem verheerenden Stadtbrand von 1706 verloren. Der Wiederaufbau orientierte sich an der Regularität der Erlanger Neustadt und brachte begradigte Baulinien und Straßenverläufe. Die Grundsteinlegung der neuen und größeren Dreifaltigkeitskirche 1709 war der Auftakt für den Abbruch der alten östlichen Stadtmauer. Die Bürger befürchteten damals Raub und Diebstahl, so dass die Abtragung der Stadtbefestigung bis zum Katzenturm hin einige Jahre aufgeschoben wurde, bis sie wegen der Stadterweiterung nach Osten unumgänglich war. Zur Sicherung der offenen Flanke diente vorerst ein Palisadenzaun mit Gattertor. 1730 erfolgte der Abbruch des Kirchtors, da Alt- und Neustadt zusammengewachsen waren. 1769 wurde das Martinsbühler Tor weiter nach Westen verlegt. An die nördliche Stadtmauer musste damals ein neues Stück angesetzt werden, das sich mit seinen glatten Quadersteinen noch heute von den alten Buckelquadern abhebt. Schließlich konnte 1787 ‐ nach fast 80-jähriger Bauzeit ‐ das Projekt einer gemeinsamen Stadtmauer von Alt- und Neustadt abgeschlossen werden. Diese neue Stadtmauer war freilich nur noch ein Polizei- und Zollmauer ohne militärische Funktion.

Sanierung als öffentliche Aufgabe

Für die Reparatur der Stadtmauer hatte die Stadt bis in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg selbst zu sorgen, wie aus einer Instruktion des Jahres 1659 hervorgeht. Während des 18. Jahrhunderts wurden dagegen die Kosten für Sanierung und Umbau der Stadtbefestigung nicht nur von der Altstadt, sondern zunehmend auch von der markgräflichen Regierung getragen. Zuständig war hier das Landschaftskollegium in Bayreuth, aus dessen Kasse auch der Stadtmauerbau der Erlanger Neustadt finanziert wurde.
Ein interessantes Beispiel ist die Stadtmauerreparatur des Jahres 1781/82, die in einer bislang unbekannten Akte im Staatsarchiv Bamberg dokumentiert ist und genau den Stadtmauerabschnitt betrifft, der auch heute wieder zur Sanierung ansteht. Damals drohte die Stadtmauer westlich des Bayreuther Tors auf einer Länge von 174 Schuh einzustürzen, so dass sie durch drei 13 Schuh hohe Sandsteinpfeiler stabilisiert werden sollte. Bürgermeister und Rat der Altstadt Erlang erstatten hierüber ihrem durchlauchtigsten Markgraf, gnädigsten Fürst und Herrn untertänigsten Bericht und beauftragten nach clementester Anweisung Maurermeister Stumpf mit Ausführung der Arbeiten. Nach einem weiteren Bittschreiben in tiefster Verehrung und unverbrüchlichster Treue übernahm das Landschaftskollegium die gesamten Kosten in Höhe von 153 Gulden für die drei Stützpfeiler und eine Rinne zur Ableitung des Wassers aus der Mauer.

Der Historiker Thomas Engelhardt forscht zur Geschichte der Stadtmauer. Er leitet eine Arbeitsgruppe beim Heimat- und Geschichtsverein, die sich mit dem historischen Bauwerk befasst. Genau untersucht wird auch das im Besitz des Vereins befindliche Stadtforscherhaus, das direkt auf die Stadtmauer gebaut und eines der ältesten Baudenkmale Erlangens ist.

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